In der Hitliste der überflüssigen Dinge wird die Reiswaffel nur noch von einer Sache getoppt: Das Suchen. Kinder suchen immer und überall und das Schlimme ist: Sie suchen nichts, was man finden könnte. „Ich gehe jetzt Pilze finden“ sagt der Kleine Tiger so verschwiemelt positiv gestimmt, aber das ist ja auch ein Kinderverstehermutmachbuch, also völlig realitätsfern. Genauso realitätsfern wie das Finden dieses mikroskopisch kleinen Ringes mit dem Schmetterling, der doch eben erst nagelneu gekauft worden war und der natürlich der letzte im Geschäft, in der Stadt im ganzen Land war. Ersatzbeschaffung aussichtslos.
Ergo: Finden aussichtslos, weil Ring kleiner als Finger kleiner als Hand kleiner als die Hoffnung, dass gleich die Feuerwehr klingelt und mich erlöst, indem sie uns alle zwingt, unser Haus zu verlassen, weil es eine Bombendrohung in unserem Ort gab. Bombe wäre immer noch besser als diese langgezogene Sirene, die eben noch die Stimme der zweitjüngsten Mitbewohnerin war. Und sie heult jetzt mit gefühlten 120 db: „Wo ist mein RING!“ Jegliche Hoffnung darauf, den Kaffee trinken, die Zeitung lesen, die Nacht schlafen zu können, sinkt auf minus 2000, jegliches Adrenalin steigt auf plus 3000, jegliche Lust auf Späße à la „Ein Ring, sie zu knechten“ lässt nach, wenn man spürt, dass der Schmerz im Knie kein Phantomschmerz ist, sondern die Krallen der Kleinsten, die sich ins geknechtete Fleisch bohren, weil sie JETZT bei ihrer Suche geholfen haben will. Da gibt es nur noch eine Strategie, die den Tag retten könnte: Die Käfertaktik: Tot stellen und darauf warten, dass der Partner schneller vom Tisch aufsteht. Doch ob das geschieht, ob die Welt also doch eine Scheibe ist, ob es Gerechtigkeit gibt, das erfahren Sie nächste Woche.
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52 Reiswaffeln
Wer isst Shampoo?
Sie krümeln, wenn man sie nur anfasst. Sie schmecken nicht. Aber ohne sie geht es nicht, zumindest nicht, wenn man Kinder hat. Das ist wie mit den rosa Tapeten, Prinzessin Lillifee und diesem Eis, das schon so riecht, als hätte es bei der BASF mal wieder einen Unfall gegeben: Eigentlich ist es schrecklich, aber wenn man Kinder hat, kommt man nicht drumrum.
Wer jetzt nicht weiß, wovon ich rede, hat keine Kinder. Wer aber weiß, wovon ich rede, liest das nicht, weil er Kinder hat und also keine Zeit. Ich weiß also nicht, wer das lesen soll, was ich hier schreibe. Ist mir auch egal, denn während ich einmal pro Woche an diesem Blog schreibe, bin ich sicher! Ich sitze an meiner Tastatur und mir kann kein Pampersrocker an den Haaren ziehen. Ich schaue starr auf meinen Bildschirm und muss nicht den Karottenbrei sehen, der sich auf die Designercouch ergießt. Ich schubse meine Maus und überhöre den Schrei aus dem ersten Stock der klingt, als würde da jemand abgestochen; dabei geht es nur darum, wer das Schleichpferd „Lisa“ in den Stall bringen darf (für alle Nichteltern: Ein Schleichpferd ist ein etwa zehn Zentimeter langes Plastikpferd, das wahrscheinlich deshalb „Schleichpferd“ heißt, weil es sich wie eine Seuche, wie die Pest und die Cholera zusammen in die Kinderzimmer schleicht, was es nur in Rudeln tut, die vom sauer Verdienten bezahlt werden wollen. Fragt übrigens besser nicht, warum eines unserer 899 Schleichpferde Lisa heißt).
Wer hat das eigentlich alles erfunden: Reiswaffeln, Schleichpferde, Prinzessin Lillifee? Nur ein krankes Hirn konnte sich das ausdenken, um alle Eltern dieser Welt zu knechten. Und wer nicht hören will, dem schenken wir das batteriebetriebene Flurry-Eichhörnchen. Ach ja, und wer dann noch nicht genug hat, den zwingen wir im gelben M zu essen, weil es da diese teuflischen Spielzeuge gibt.
Übrigens: Wer zwei Kinder hat und bei Mc D auf die Frage „Zwei verschiedene oder zwei gleiche Spielzeuge?“ nicht „Zwei gleiche“ antwortet, ist blutiger Anfänger. Und wer das nicht versteht, der wird niemals ermessen, dass die 52 Reiswaffeln, also die 52 Artikel über den Wahnsinn mit Kindern keine Satire sind, sondern schlicht und einfach die Wahrheit.
Bis nächsten Sonntag.